Schleifen von Lacken und FVB - von Hand
Inhalt
1: Schleifen von Hand
2: Papier = Papier?
3: Trocken und Nass
4: Eben muss es sein.
5: Der erste Schliff
6: Nassschleifen, aber richtig.
7: Zwischenschliff
8: 600er und 1200er
1. Schleifen von Hand top
In der Lackier- und Laminierbude geht die allermeiste Zeit für Vorarbeiten drauf. Mit Abkleben, Anschleifen, Spachteln und Schleifen. Nur ein kleiner Bruchteil der Zeit wird dabei wirklich für das Spritzen des Lackes aufgewendet.
Das fängt auch schon beim Abkleben an: wenn man sich da Mühe macht, hat man später keinen Sprühnebel auf Teilen, die sauber bleiben sollen. Mit dem Spachteln und Schleifen als Lackiervorbereitung ist es genau so.
Hier wollen wir zeigen wie man Kratzer oder leichte Beschädigungen bei FVB ausbessert oder die neuen Teile fürs Lackieren vorbereitet.
Schleifen ist eine Wissenschaft und Schleifen braucht Übung. Allerdings kann man einiges auch via Internet lernen. Zum Beispiel, dass es verschiedene Fälle gibt, in denen geschliffen wird. Fast jeder hat einen Winkelschleifer in seinem Werkzeugfundus. Oder einen Schwingschleifer. Diese Elektrogerätschaften nimmt man in aller Regel, um richtig grobe Sachen zu schleifen, da man mit entsprechender Schleifscheibe oder dem richtigen Papier binnen Minuten Pfundweise Material herunterraspelt.
Neben diesen Vorschliffarbeiten schleift man Oberflächen an, damit Spachtel, Primer oder Lack besser darauf haften. Oder man schleift eine in die Hose gegangene Lackierung herunter oder an. Oder man schleift, um eine Oberfläche glatt zu bekommen. Das ist allermeistens der Fall und nimmt viel Zeit in Anspruch.
2. Papier = Papier? top
Arbeitsmaterial ist in unserem Fall Schleifpapier. Das gibt es auf Rollen oder als Bögen, wie Schreibpapier. Schleifpapier ist, wie sollte es anders sein, nicht gleich Schleifpapier. Man unterteilt Papier nach der Art des Trägermaterials, also des Papier selbst, und der Art der Beschichtung, des Korns.
Grob gesagt existieren ziemlich einfaches Papier, eine Art Leinen-Gewebe und wasserfestes, geöltes Papier als Trägermaterialien. Das einfache "Papier" ist meistens noch mit weichem Glas beschichtet und reicht grade für Schleifarbeiten am Ikea-Regal. Das Schleifleinen ist meist nicht wasserfest und wird vorwiegend für Trockenschliffarbeiten an Metall verwendet.
Für unsere Zwecke bleibt also nur das wasserfeste Papier. Das mit dem "wasserfest" ist wichtig, damit sich das teure Papier nicht im Wassereimer auflöst oder die Schleifkörner verliert.
Beim Ikea-Regal-Papier bestehen die Schleifkörner aus Glas, beim Gewebepapier aus Flint und beim Nassschleifpapier aus Korund oder Siliziumkarbid. Nur die beiden letzten kommen für uns in Frage. Die allermeisten Papiere sind damit beschichtet.
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal von Schleifpapier ist natürlich die Körnung. Segensreicherweise haben sich die europäischen Papiermacher geeinigt und die Körnung genormt. Der für unsere Zwecke interessante Abschnitt der "P"-Körnung geht bei unter P40 los (extrem rauh für gröbste Vorarbeiten) und endet bei P2000, dem Papier för den allerletzten Durchgang vor dem "Schwabbeln" am fertigen Bauteil.
3. Trocken und Nass top
Generell kann man auf zwei verschiedene Arten Schleifen: Trocken und Nass. Vorschliffarbeiten und grobes Runterschruppen von Spachtelbergen erledigt man meist trocken. Die feinen Sachen schleift man nass.
Beim Trockenschleifen entwickelt man eine nicht unerhebliche Menge Staub und Wärme, die unter Umständen sogar die Oberfläche anschmilzt und verschmiert. Schleifstaub kann dann zusammenbacken und das Papier verdrecken. Ungünstigstenfalls kleben diese zusammengeballten Brösel dann im Papier und ziehen mit jeder Bewegung unschöne Rillen in die Oberfläche. Beim Trockenschleifen also immer wieder das Papier ausklopfen und den Staub wegwischen. Um diesen Effekt zu verhindern schleife ich auch schon ab P120 nass.
Das Wasser beim Nassschleifen kühlt die Schleifstelle und spült den Schleifstaub weg. Das ist auch der Grund dafür, dass dasselbe Papier der selben Körnung nass feiner schleift als trocken. Den letzten Schliff erledigt man immer nass.
Entscheidend ist aber, dass die Oberfläche trocken und fest ist. Frisch gespachtelte oder laminierte Flächen müssen unbedingt durchgehärtet sein, damit die Spachtelmasse sich nicht aufribbelt und das Papier verklebt. Mit dem Nassschliff kann man etwas früher anfangen, mit dem Trockenschliff muss man warten bis das Zeug hart ist.
4. Eben muss es sein. top
Möchte man eine ebene Fläche schleifen, braucht man was ebenes, auf das man das Papier aufzieht.
Würde man das Schleifpapier mit bloßen Fingern führen, hätte man binnen kurzer Zeit Dellen im Bauteil, weil man nur da schleift, wo der dicke Daumen drückt. Schleift man große Flächen nur mit den Fingerspitzen, wird das nix.
Als Schleifklotz kann man eigentlich alles nehmen. Ein superglattes Stück Holz ebenso wie einen Klötzchen aus Kork. Da, wo das Schleifpapier im Laden liegt, stehen meist auf Schleifklötze aus Gummi oder Schaumstoff zum Verkauf. Mit so einem Klotz gerüstet, kann man fast alles an Schleifarbeiten erledigen.
Mein eigenes Schleifklötzchen mit dem ich das meiste schleife ist aus Balsaholz und auf hat ein Profil wie der Buchstabe "D" also eine Seite gewölbt, die andere glatt. Das ganze wird ergänzt durch kleine Holzklötzchen in unterschiedlichen Formen, Straakklatten, lange Aluminium Hohlprofile die mit Schleifpapier bezogen werden. Diese nutze ich zum egalisieren großer planer Flächen oder Profile.
5. Der erste Schliff top
Meistens steht am Anfang grobes Putzen der Schadensstelle an. Dabei schleift man immer kreuzweise und klopft das Papier zwischendurch aus.
Für den ersten, groben Schliff eignet sich 80-120er Papier. Das geht ziemlich ran und raspelt die Oberfläche gut an. Falls ein fertiges Bauteil lackiert werden soll fängt man besser bei 240 nass an.
Möchte man seiner Gesundheit Gutes tun, setzt man beim Trockenschleifen sich eine Feinstaubmaske auf, das sollte man vor allem wenn man Kohlefaser trocken bearbeitet unbedingt tun.
Wenn man die Unebenheiten beseitigt hat, sollte man zur nächsten feineren Körnung wechseln und spätestens jetzt auf nass umsteigen.
An Kanten oder größeren Wölbungen sollte man besonders vorsichtig schleifen, weil das Papier hier besonders stark im Eingriff ist.
6. Nassschleifen, aber richtig. top
Wenn man zum Nassschleifen wechselt, kann man sich ein paar Liter Wasser warm machen. Das ist besonders im Winter deutlich angenehmer als kaltes.
Je nach Qualität des Nassschleifpapier sollte man es bis zu einer halbe Stunde vorher einweichen um es geschmeidig zu machen.
Für den Zwischenschliff nehmen wir 240er und 320er Papier. Damit gleicht man die tiefsten Rillen des Trockenschliffs aus und nimmt noch ein wenig Material ab.
Wenn man ohne Klotz, also mit der bloßen Hand schleift, muss man, zumindest auf ebenen Flächen, mit der ganzen Hand schleifen. Wenn nicht die ganze Patschehand, sondern nur zwei Finger auf dem Papier liegen, schleift man an eben diesen Punkten Rinnen in die Oberfläche. Aus diesem Grund sollte man frühestens bei Körnung P400 den Schleifklotz beiseite legen.
Um die Finger schön zusammen zu halten, kann man das Papier um den kleinen Fingern wickeln und dann mit dem Daumen festhalten. So eingespannt, können die Finger nicht auseinander. Wenn man sich das Papier nach dem Schleifen besieht, kann man ziemlich gut sehen, wo man aufgedrückt hat - diese Druckstellen sollten natürlich möglichst gleichmäßig verteilt sein. Gut bewährt haben sich da auch kleine "Schleifheftchen", man faltet das Papier und legt dazwischen noch ein bereits verbauchtes Papier der gleichen Körnung. Ich bekomme aus einem Bogen Schleifpaier immer 9 einzelnen SchleifblŠtter, die ich dann nochmals falte - erst dann habe ich die Größe mit der ich gut arbeiten kann.
7. Zwischenschliff mit 400er top
Das Wasser träufelt man am besten mit einem Schwamm aufs Bauteil, oder taucht das Papier immer wieder in den Wassereimer. Wenn man das Papier zwischendurch mal ausspült, vermeidet man Schleifbrösel auf dem Papier. Auch das Bauteil sollte man immer wieder abspülen, spätestens jedoch bevor man die Körnung wechselt um gröbere Schleifpartikel wegzuwaschen.
Beim Nassschleifen wird man, auch weil man ziemlich wenig sieht, sensibel. Man spürt selbst kleinste Unebenheiten. Wenn man die weg hat (und das kann lange dauern) sollte die Schleifstelle im Prinzip fertig sein.
Nach dem Zwischenschliff sollte sich die trockene Oberfläche schon völlig glatt anfühlen. Übergänge dürfen nicht mehr spürbar sein.
8. 600er, 800er, 1200er und 1500er top
Nun wird die Oberfläche immer so lange geschliffen bis sie gleichmäßig matt ist, mit steigender Körnung wird sie schön seidenmatt glänzend. Wenn man beim 1500er angekommen ist sollte man sich entscheiden ob man noch mit 2000er nachschleifen will oder nicht. 2000er fühlt sich wie ein rauhes Papier an, dass das Schleifpapier sein soll muss man dazu sagen.
Zum Schwabbeln, also polieren einses Gelcoats auf UP Basis, schreibe ich demnächst etwas in einem anderen Artikel.